Sonntag, 29. Juli 2018
Montag, 16. Juli 2018
Freitag, 26. Januar 2018
Die Kapp'
Die Kapp' war ein warmes Ding in schwarz und grau aus Synthetik; ich hatte sie im Schacht meiner Wasseruhr gefunden, wo sie ein Ableser wohl verloren hatte.
Weil ich auf gebrauchte Sachen stehe, habe ich sie gewaschen und manchmal getragen.
Sfian war ein freundlicher und aufgeweckter Junge von 13 Jahren.
Er war mit seinem Onkel, der noch ein Baby dabei hatte, im Spätjahr 2015 im Auffanglager in der Karlsruher Kriegsstraße gelandet; Jesiden aus Syrien.
Sage einer etwas gegen die Deutschen, ständig waren Dutzende wohlmeinender Menschen in ihrer Freizeit in der Anlage, einer ehemaligen Brauerei und versuchten mehr oder weniger effektiv zu helfen. Bei gutem Wetter konnte der weitläufige Hof genutzt werden, bei Regen und Kälte war das Chaos perfekt.
In den Gemeinschaftsräumen herrschte unbeschreiblicher Lärm, es war ein permanentes Kommen und Gehen, Biertische und -bänke wackelten und Becher fielen um, Männer und Frauen bildeten Gruppen, innerhalb derer sie sich verständigen konnten, aber die Meisten waren guter Dinge.
Es roch beeindruckend.
Wir saßen mit Einigen zusammen und artikulierten deutsche Wörter.
"Guuten Taag."
"Goootendack."
"Guuten Tag!"
"Kuuutndaggg!"
Immer mal Gelächter.
Sfian tauchte in dieser und jener Gruppe auf, mit einem Heft und Stift bewaffnet und konnte gar nicht genug in sich aufnehmen, die Augen flitzten von Sprecher zu Sprecherin, und das ganze Kerlchen war nur Aufmerksamkeit.
Wenn die Gruppen sich nach einiger Zeit wieder auflösten, setzte er sich woanders dazu; immer gierig auf Neues.
Manchmal schob er mir sein Heft unter, damit ich seine Wörter korrigierte und bedankte sich höflich.
Einige Wochen vergingen, und man konnte sich mit ihm unterhalten. Das Wetter war zeitweise besser.
Sfian sprang im Hof 'rum und passte dabei auch auf die Kleinen auf; eine hatte sich mit dem Kinderfahrrad schon das Bein gebrochen und rollte wie eine Verrückte mit dem Rollstuhl herum.
Wenn ich auf den Hof rollte, kam er gelaufen und schüttelte mir ernsthaft die Hand.
Er inspizierte fachmännisch meinen Transporter, "Fürrr Arrbeit!"
Die Bananen und ein illustriertes Wörterbuch freuten ihn.
"Ich bin Jeside. Sind nicht viele." Ganz beiläufig.
Eine Religion mit uralten Wurzeln, in deren Zentrum Engel stehen, und die über Jahrhunderte nur mündlich überliefert wurde. Es gibt nur ein paar Millionen davon, die unter sich bleiben, weil man sie nach Kräften hasst.
Der IS hatte mit vielen Unbeschreibliches angestellt.
Der Winter hielt an und jetzt kam die Kapp' in's Spiel, ich brachte ihm auch Handschuhe und eine meiner Jacken (die mir zu eng war).
Fortan erkannte ich ihn schon von Weitem an der Kapp'.
Er und sein Onkel mit dem Baby waren bei den letzten, die woanders unterkamen; sie waren eben keine Familie im klassischen Sinn.
Ich war nicht da, als sie ihre Koffer in den Bus luden.
Wenn ich an die Kapp' denke, werde ich rührselig.
Weil ich auf gebrauchte Sachen stehe, habe ich sie gewaschen und manchmal getragen.
Sfian war ein freundlicher und aufgeweckter Junge von 13 Jahren.
Er war mit seinem Onkel, der noch ein Baby dabei hatte, im Spätjahr 2015 im Auffanglager in der Karlsruher Kriegsstraße gelandet; Jesiden aus Syrien.
Sage einer etwas gegen die Deutschen, ständig waren Dutzende wohlmeinender Menschen in ihrer Freizeit in der Anlage, einer ehemaligen Brauerei und versuchten mehr oder weniger effektiv zu helfen. Bei gutem Wetter konnte der weitläufige Hof genutzt werden, bei Regen und Kälte war das Chaos perfekt.
In den Gemeinschaftsräumen herrschte unbeschreiblicher Lärm, es war ein permanentes Kommen und Gehen, Biertische und -bänke wackelten und Becher fielen um, Männer und Frauen bildeten Gruppen, innerhalb derer sie sich verständigen konnten, aber die Meisten waren guter Dinge.
Es roch beeindruckend.
Wir saßen mit Einigen zusammen und artikulierten deutsche Wörter.
"Guuten Taag."
"Goootendack."
"Guuten Tag!"
"Kuuutndaggg!"
Immer mal Gelächter.
Sfian tauchte in dieser und jener Gruppe auf, mit einem Heft und Stift bewaffnet und konnte gar nicht genug in sich aufnehmen, die Augen flitzten von Sprecher zu Sprecherin, und das ganze Kerlchen war nur Aufmerksamkeit.
Wenn die Gruppen sich nach einiger Zeit wieder auflösten, setzte er sich woanders dazu; immer gierig auf Neues.
Manchmal schob er mir sein Heft unter, damit ich seine Wörter korrigierte und bedankte sich höflich.
Einige Wochen vergingen, und man konnte sich mit ihm unterhalten. Das Wetter war zeitweise besser.
Sfian sprang im Hof 'rum und passte dabei auch auf die Kleinen auf; eine hatte sich mit dem Kinderfahrrad schon das Bein gebrochen und rollte wie eine Verrückte mit dem Rollstuhl herum.
Wenn ich auf den Hof rollte, kam er gelaufen und schüttelte mir ernsthaft die Hand.
Er inspizierte fachmännisch meinen Transporter, "Fürrr Arrbeit!"
Die Bananen und ein illustriertes Wörterbuch freuten ihn.
"Ich bin Jeside. Sind nicht viele." Ganz beiläufig.
Eine Religion mit uralten Wurzeln, in deren Zentrum Engel stehen, und die über Jahrhunderte nur mündlich überliefert wurde. Es gibt nur ein paar Millionen davon, die unter sich bleiben, weil man sie nach Kräften hasst.
Der IS hatte mit vielen Unbeschreibliches angestellt.
Der Winter hielt an und jetzt kam die Kapp' in's Spiel, ich brachte ihm auch Handschuhe und eine meiner Jacken (die mir zu eng war).
Fortan erkannte ich ihn schon von Weitem an der Kapp'.
Er und sein Onkel mit dem Baby waren bei den letzten, die woanders unterkamen; sie waren eben keine Familie im klassischen Sinn.
Ich war nicht da, als sie ihre Koffer in den Bus luden.
Wenn ich an die Kapp' denke, werde ich rührselig.
Mittwoch, 9. November 2016
Backlash der Bloeden
Wenn Deppen wählen
Jetzt haben wir endgültig unser Fett.
Die Irren und ihre grenzdebilen Verehrer sind weltweit bestens organisiert, und das historische Pendel schlägt heftig wie lange nicht nach rechts aus.
Die Bibel- und Knarrenfans aus dem Mittelwesten haben den Küstenbewohnern und dem Rest der Welt den Stinkefinger gezeigt.
Trotzwähler, die es einen Dreck schert, wenn Errungenschaften zum Teufel gehen. Hasser.
Evangelikale Heuchler. Revanchisten, die in Lincoln noch immer einen Usurpator sehen.
Vorbei mit dem Frauenrechtsgedöns, der PC-Terminologie und dem klugscheißerischen Neger im Weißen Haus. Mit der Wissenschafts- und Kulturwichserei der "Eliten", den sozialpädagogischen Weicheiern, den Hollywoodschwätzern.
Der junge Geldsack jubelt neben dem zahnlückigen Traktormechaniker in Alabama; alle Zurückhaltung ist flöten, man schwenkt schon mal kleine Galgenschlingen. Die Jugend will's den Alten recht machen und gefällt sich in Abscheulichkeiten. Die Antsemiten strecken die Köpfe auch schon wieder aus den Löchern.
Der Pfälzer Großkotz Drumpf hat die "wildgewordenen Kleinbürger" hinter sich geschart, die eh schon weltweit Morgenluft wittern.
Türk' und Russ' können wieder stolz sein auf ihre Nationen, "Pegidoo" aus der Raucherkneipe und AfD retten das deutsche Wesen und streben nach Diäten und Dienstwagen, Martine Le Pen peilt hohe Ämter an. Der Brite schmeisst den Polen 'raus. Der Pole und Ungar hasst Flüchtlinge. Der Fundamentalist hasst alle.
"Nationalismus ist die letzte Zuflucht der Kanaillen", Oskar Wilde
Danke, facebook
In Marshal McLuhans "globalem Dorf" braucht sich keiner mehr durch Gegenargumente verunsichern zu lassen, vielstimmiges einhelliges Grunzen schafft Überzeugung.
Liberale und konservative Medien teilen keine gemeinsame Realität mehr.
Hanna Arendts "Banalität des Bösen" ist aktuell wie nie, Neid, Hass und Stumpfsinn sind legitime Motivationen, keiner muss sich in Selbstkritik üben. Man bleibt einfach unter sich und hasst den Rest. Das klappte schon immer eine Zeitlang.
Zivilisation baut auch auf Empathie; mit dem einen krepiert auch das andere.
Was frühere Generationen in schmerzlichen Einsichten mit Verstand aufgebaut haben, reißen die nächsten mit dem Arsch wieder ein.
Ein totgespartes Grundschulsystem entlässt die fünfte Generation von Illiteraten in's Leben, die nur noch Wortkrüppel in's Smartphone stammeln können und sich in "Fack Ju Goethe II" totlachen, wo auch ihre Rollenmuster agieren.
Der einst angesehene Lehrerberuf verkam zur in der Frührente endenden Tortur für existenzielle Sicherheit Suchende. Der renitente Heranwachsende genießt politische Immunität gegen Disziplinierung.
Die Achtziger erlebten das Erblühen des Privatfernsehens, der Bildungsauftrag fiel weg, Kretinismus bringt Quote. Und prägt die Jugend.
Da muss wohl mal wieder eine existenzielle Grenzerfahrung kommen, die die Spezies dezimiert und dem Rest die alten Grundwerte einbimst.
Optimisten sind nicht informiert genug.
Jetzt haben wir endgültig unser Fett.
Die Irren und ihre grenzdebilen Verehrer sind weltweit bestens organisiert, und das historische Pendel schlägt heftig wie lange nicht nach rechts aus.
Die Bibel- und Knarrenfans aus dem Mittelwesten haben den Küstenbewohnern und dem Rest der Welt den Stinkefinger gezeigt.
Trotzwähler, die es einen Dreck schert, wenn Errungenschaften zum Teufel gehen. Hasser.
Evangelikale Heuchler. Revanchisten, die in Lincoln noch immer einen Usurpator sehen.
Vorbei mit dem Frauenrechtsgedöns, der PC-Terminologie und dem klugscheißerischen Neger im Weißen Haus. Mit der Wissenschafts- und Kulturwichserei der "Eliten", den sozialpädagogischen Weicheiern, den Hollywoodschwätzern.
Der junge Geldsack jubelt neben dem zahnlückigen Traktormechaniker in Alabama; alle Zurückhaltung ist flöten, man schwenkt schon mal kleine Galgenschlingen. Die Jugend will's den Alten recht machen und gefällt sich in Abscheulichkeiten. Die Antsemiten strecken die Köpfe auch schon wieder aus den Löchern.
Der Pfälzer Großkotz Drumpf hat die "wildgewordenen Kleinbürger" hinter sich geschart, die eh schon weltweit Morgenluft wittern.
Türk' und Russ' können wieder stolz sein auf ihre Nationen, "Pegidoo" aus der Raucherkneipe und AfD retten das deutsche Wesen und streben nach Diäten und Dienstwagen, Martine Le Pen peilt hohe Ämter an. Der Brite schmeisst den Polen 'raus. Der Pole und Ungar hasst Flüchtlinge. Der Fundamentalist hasst alle.
"Nationalismus ist die letzte Zuflucht der Kanaillen", Oskar Wilde
Danke, facebook
In Marshal McLuhans "globalem Dorf" braucht sich keiner mehr durch Gegenargumente verunsichern zu lassen, vielstimmiges einhelliges Grunzen schafft Überzeugung.
Liberale und konservative Medien teilen keine gemeinsame Realität mehr.
Hanna Arendts "Banalität des Bösen" ist aktuell wie nie, Neid, Hass und Stumpfsinn sind legitime Motivationen, keiner muss sich in Selbstkritik üben. Man bleibt einfach unter sich und hasst den Rest. Das klappte schon immer eine Zeitlang.
Zivilisation baut auch auf Empathie; mit dem einen krepiert auch das andere.
Was frühere Generationen in schmerzlichen Einsichten mit Verstand aufgebaut haben, reißen die nächsten mit dem Arsch wieder ein.
Ein totgespartes Grundschulsystem entlässt die fünfte Generation von Illiteraten in's Leben, die nur noch Wortkrüppel in's Smartphone stammeln können und sich in "Fack Ju Goethe II" totlachen, wo auch ihre Rollenmuster agieren.
Der einst angesehene Lehrerberuf verkam zur in der Frührente endenden Tortur für existenzielle Sicherheit Suchende. Der renitente Heranwachsende genießt politische Immunität gegen Disziplinierung.
Die Achtziger erlebten das Erblühen des Privatfernsehens, der Bildungsauftrag fiel weg, Kretinismus bringt Quote. Und prägt die Jugend.
Da muss wohl mal wieder eine existenzielle Grenzerfahrung kommen, die die Spezies dezimiert und dem Rest die alten Grundwerte einbimst.
Optimisten sind nicht informiert genug.
Labels:
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Donnerstag, 15. November 2012
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